CDU Nidda analysiert, kritisiert, wählt und ehrt

Die Analyse der Landtagswahl und des AfD-Ergebnisses nehmen bei der Versammlung des CDU-Stadtverbandes Nidda breiten Raum ein.

NIDDA - Formal stand die Wahl der Delegierten für den nächsten Kreisparteitag im Hinblick auf die Europawahl im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung der Niddaer CDU im Kernstadt-Bürgerhaus. Doch mehr Raum nahmen die Landtagswahl und ihre Folgen, Reaktionen auf die Wahlerfolge der AfD und kommunalpolitische Themen ein.
Die CDU-Kreisvorsitzende Lucia Puttrich, Staatsministerin und als gewählte Direktkandidatin mit einem persönlichen Erfolg aus der Landtagswahl hervorgegangen, sprach deutliche Worte: "Das Wahlergebnis ist für die CDU nicht zufriedenstellend." Man habe einen guten Wahlkampf geführt mit dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Ortenberg als Höhepunkt. Leider sei das Ergebnis nicht vom Bundestrend zu trennen gewesen. "Die Mehrheit der Hessen war mit der Politik der schwarz-grünen Koalition vor der Wahl zufrieden", betonte Puttrich mit einem Blick nach Berlin.
Die Wetterauer CDU könne trotzdem zufrieden sein. Der Gewinn von allen drei Direktmandaten sei "ausgesprochen erfreulich".
Auch zur Merkel-Nachfolge äußerte sich Puttrich. "Wir brauchen jemanden, der die Flügel der Partei verbinden kann. "Wichtig sei ein stabiles Deutschland. "Instabilität können wir uns vor der Europawahl im kommenden Mai nicht leisten. Denn dieser Urnengang sei eine "ganz entscheidende Wahl". Kräfte, die sich gegen ein vereintes Europa stemmten, könnten im Europäischen Parlament die Oberhand gewinnen. "Wir müssen klare Positionen beziehen. Wenn Grenzen überschritten werden, müssen wir dies deutlich benennen." Die CDU werde Antworten geben auf die vielen anstehenden Fragen, "aber mit Anstand", sagte Lucia Puttrich.
Der scheidende Landtagsabgeordnete Klaus Dietz erinnerte in seiner "Abschiedsrede" an die langjährige Zusammenarbeit mit dem Niddaer Stadtverband. Der frisch gebackene Kreisbeigeordnete Matthias Walther gab einen Überblick über seinen neuen Tätigkeitsbereich in der Friedberger Kreisverwaltung, den er als "großes Spannungsfeld" bezeichnete. Neben den Finanzen und der Kreisentwicklung ist der Geiß-Niddaer auch zuständig für Wohnungsbau und Denkmalschutz sowie für die Kreisbetriebe Abfallwirtschaft und Informationstechnologie. Der Schulbau sei eine der wesentlichen Themen in den kommenden Jahren, sagte Walther.
Stadtverbandsvorsitzender Jacob Ulrich, der vor einem Jahr das Amt übernommen hat, erinnerte an den erfolgreich geführten Wahlkampf für den neuen Landrat Jan Weckler, der in Nidda bei der Stichwahl mit 54 Prozent ein "hervorragendes" Ergebnis erzielt habe. "Sehr betrüblich" nannte Ulrich das Landtagswahlergebnis der AfD von 17,9 Prozent und kritisierte in diesem Zusammenhang heftig die zunehmende Verrohung der Sprache. "Wir können dieses Ergebnis so nicht hinnehmen", betonte der Vorsitzende. "Wir sind aufrechte Demokraten und dürfen diesen Personen nicht unser Land überlassen."
Sehr positiv bewertete Ulrich in seinem Rückblick die Veranstaltung "Wir zeigen Gesicht" auf dem Marktplatz und die Situation der Niddaer CDU in der Stadt und im Kreis. "Wir sind so gut vernetzt wie schon lange nicht mehr", sagte Ulrich mit Blick auf Landrat Weckler und den Kreisbeigeordneten Walther. Zudem erhalte die CDU im Dezember mit Adelheid Spruck den ehrenamtlichen Posten der Ersten Stadträtin in Nidda.
Fraktionsvorsitzender Till Neumann ging auf die Hessenkasse ein, durch die die knapp 30 Millionen Euro Kassenkredite der Stadt Nidda zur Hälfte vom Land übernommen würden. "Das ist erfreulich." Für die Stadt bedeute diese Regelung aber in den nächsten 30 Jahren eine jährliche Rückzahlung von 450 000 Euro. Die aktuelle Situation in Nidda sei durch eine starke bauliche Entwicklung geprägt. Als Beispiel nannte Neumann das frühere Kahle-Gelände in Harb, für das es Pläne für eine Bebauung mit Wohnungen und Gewerbe gebe. Ein wichtiger Prüfantrag der CDU an den Magistrat betreffe die Mitgliedschaft im Regionalverband Rhein-Main. "Unser langfristiges Ziel ist es, einen S-Bahnanschluss für Nidda zu erreichen", sagte Neumann.
Staatsministerin Puttrich und Vorsitzender Ulrich ehrten an diesem Abend auch Gabriele Reichhold und Thomas Eiser für 25-jährige Mitgliedschaft. Als Delegierte werden Lucia Puttrich, Adelheid Spruck, Walter Pöllmann, Till Neumann, Jacob Ulrich, Wolfgang Falkenstein, Gabriele Reichhold, Jacqueline Reichhold, Frank Boucsein und Hagen Puttrich die Niddaer CDU auf dem anstehenden Kreisparteitag vertreten.
(Quelle: Kreis-Anzeiger für Wetterau + Vogelsberg v. 16.11.2018)

(Foto Stefan Weil)

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